Firenze I., Berlin, 27. Januar 1932. Deckfarben, 40 x 30 cm Blattmasse. - © Kunstmuseum Bern, Schenkung Otto Nebel.
Firenze I., Berlin, 27. Januar 1932. Deckfarben, 40 x 30 cm Blattmasse.
© Kunstmuseum Bern, Schenkung Otto Nebel.
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Ausstellungen 09.11.2012 – 24.02.2013 CHF 14.00 / red. CHF 10.00

Wort und Bild

«Zur Unzeit gegeigt...» Otto Nebel, Maler und Dichter

Die Ausstellung zum 120. Geburtstag Otto Nebels (1892-1973) zeigt erstmals das gesamte Werk des bildenden Künstlers und Schriftstellers, der jahrzehntelang in Bern ansässig war.

Die Ausstellung stellt die Wechselbeziehungen zwischen den visuellen Darstellungsformen Malerei, Zeichnung, Graphik und Collage und literarischen Texten, zwischen Bild und Wort ins Zentrum. Thematisch gegliedert und nach Stationen der Biografie werden Nebels wichtigste Werke in Malerei und Dichtung präsentiert.

Bei Otto Nebel ist nicht nur von einer Doppelbegabung zu sprechen. Wie viele Vertreter der Avantgarden des frühen 20. Jahrhunderts experimentierte Nebel mit Sprache und bildender Kunst. Sein übergeordnetes Bemühen war, „aus Elementen Sinngebilde, Modelle von Harmonie herzustellen“. Die Ausstellung zeigt, dass bei Nebel das lyrische vom malerischen Werk nicht zu trennen ist, und dass er als intermedial arbeitender Künstler neu entdeckt werden kann.

Als Mitglied der „Sturm“-Bewegung um Herwarth Walden war Nebel als Wortkünstler hervorgetreten und lieferte sowohl Texte wie erste Linolschnitte für deren Publikation. In den Zwanziger Jahren schuf Nebel seine Runenfugen, Dichtungen, die aus einer beschränkten Anzahl Buchstaben bestehen. Die Abstraktion, die er hier anstrebte, hielt in seinem bildnerischen Schaffen erst später Einzug. Nebel war ein minutiös arbeitender, technisch sorgfältig abwägender Künstler. Er ‹baute› seine Gemälde und farbigen Blätter oft in zähen Arbeitsgängen Schicht um Schicht auf dem mehrmals präparierten Malgrund auf. Zu den einschneidenden Erlebnissen gehörten Aufenthalte in Italien, wo er seinen sogenannten Farbenatlas erstellte, der auf zahlreiche Werke Einfluss nehmen sollte. Analog zu den Schriftzeichen der Runenfugen bilden Farbe und Licht in den teilweise gegenständlichen Landschaften und Stadtansichten eine eigenständige Bildebene. Mitte der Dreissiger Jahren löste sich Nebel zunehmend vom Gegenständlichen und bediente sich jener zeichenhaften Bildsprache, die er seine Runenbilder nannte. Und doch war diese Bildsprache für ihn nicht eigentlich ‚ungegenständlich’, denn er hielt fest: „In meiner Kunst stehen nur Dinge ... reine Geschehnisse innersten Lebens“.

Nebel schenkte 1969 dem Kunstmuseum Bern rund 200 Werke, zudem wurde sein Nachlass nach seinem Tod der Otto Nebel-Stiftung mit Sitz in Bern einverleibt. Der schriftliche Teil wird heute im Schweizerischen Literaturarchiv aufbewahrt. Für die Ausstellung wird die Werkauswahl mehrheitlich aus diesen Beständen getroffen, ergänzt mit Werken aus Galerie- und Privatbesitz und mit Querverweisen auf Künstler, mit denen Nebel künstlerisch und persönlich in Beziehung stand. Die reich illustrierte Begleitpublikation soll ein Referenzwerk über das dichterische und malerische Schaffen von Otto Nebel werden.

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