Die Zukunft entscheidet sich 150 Jahre nach Gründung

Der Stettler-Bau des Kunstmuseum Bern, 1895

Das Kunstmuseum Bern feiert im September 2025 das 150-jährige Jubiläum der «Corporation Bernisches Kunstmuseum» – der heutigen Stiftung Kunstmuseum Bern. Die Gründung der Corporation erfolgte durch den Kanton Bern, die Stadt Bern, die Burgergemeinde Bern, den Bernischen Kantonal-Kunstverein sowie die Bernische Künstlergesellschaft. Ihr Ziel war das Errichten eines Kunstmuseums in Bern sowie der spätere Betrieb. Ein wichtiger Unterstützer war der Künstler und damalige Grossrat Albert Anker. Genau 150 Jahre nach Unterzeichnung der Statuten entscheidet der Grosse Rat des Kantons Bern in seiner Herbstsession über die Zukunft der Institution.

Der Kanton Bern und die Bernische Künstlergesellschaft begannen im Verlaufe des 19. Jahrhunderts mit dem Aufbau von Kunstsammlungen. 1849 wurden beide Sammlungen vereinigt und der Wunsch nach einem Kunstmuseum in Bern laut, um sie angemessen präsentieren zu können. Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Werke an verschiedenen Standorten in der Stadt Bern provisorisch untergebracht. Ein Architekturwettbewerb wurde lanciert und die Pläne mangels Budgets wieder verworfen.

1869 unternahmen die Bernische Künstlergesellschaft und der Bernische Kantonal Kunstverein (ab 1919 Verein der Freunde Kunstmuseum Bern) einen weiteren Anlauf. Sie sammelten Gelder für einen Baufonds und setzten sich bei der Berner Regierung erfolgreich für ein Museum ein. Im Grossen Rat wurde das Anliegen traktandiert und fand mit Albert Anker (1870-1874 Mitglied des Grossen Rates) einen starken Befürworter. Er wurde 1871 zum Präsidenten einer «Kommission für ein Kunstmuseum» ernannt, die sich auf die Suche nach Bauland und Geldern zur Finanzierung machte. Die Burgergemeinde Bern stellte wenig später ein Stück Land für den Bau unentgeltlich zur Verfügung. Als der Architekt Gottlieb Hebler (1817- 1875) der Stadt Bern 1875 sein ganzes Vermögen für die Ausführung des Kunstmuseums vererbte, waren schliesslich die Mittel für die Realisierung beisammen. 

«Corporation Bernisches Kunstmuseum» als Bauherrin 

Als Trägerschaft für den Bau wurde die «Corporation Bernisches Kunstmuseum» gegründet mit dem Zweck, ein Gebäude zu erschaffen und zu erhalten, in dem die Sammlungen unter einem Dach vereinigt bewahrt, ergänzt und präsentiert werden können. Am 10. September 1875 unterzeichneten die fünf Träger– der Kanton Bern, die Stadt Bern, die Burgergemeinde Bern, der Bernische Kantonal-Kunstverein sowie die Bernische Künstlergesellschaft – die Stiftungsurkunde. Wenige Tage später - am 16. September 1875 - wurden die Statuten vom Grossen Rat genehmigt und damit war der Grundstein für ein Kunstmuseum in Bern gelegt. Das Museum wurde von Stadtbaumeister Eugen Stettler entworfen. Im Frühling 1876 begannen die Bauarbeiten und am 9. August 1879 fand die feierliche Eröffnung statt. Die Sammlung umfasste zu diesem Zeitpunkt rund 300 Werke. Heute zählt die Sammlung des Kunstmuseum Bern rund 75‘000 Werke - darunter mehr als 4‘000 Gemälde und Skulpturen sowie rund 70‘000 Handzeichnungen, Druckgrafiken, Fotografien, Videos und Filme. Die «Corporation Bernisches Kunstmuseum» wurde 1917 in die gemeinnützige Stiftung Kunstmuseum Bern umgewandelt, welche das Museum nach wie vor als Eigentümerin betreibt, weiterentwickelt und für die ihr anvertrauten Sammlungen verantwortlich ist.

  • Titelseite der Stiftungsurkunde Kunstmuseum Bern (1875)
  • Seite 2 der Stiftungsurkunde Kunstmuseum Bern (1875)
  • Seite 3 der Stiftungsurkunde Kunstmuseum Bern (1875)
  • Schlussseite der Stiftungsurkunde Kunstmuseum Bern (1875) mit Genehmigung des Grossen Rates

Werke aus den Anfängen zu besichtigen

Aus Anlass dieses Jubiläums präsentiert das Kunstmuseum Bern eine kleine Auswahl von acht Werken. Sie gewähren einen Einblick in die Anfänge der Sammlung. Die Zusammenstellung widerspiegelt den Zeitgeist der Epoche, in der Berner Künstler vom 15. Jahrhundert bis zur damaligen Gegenwart im Mittelpunkt standen, aber auch bereits Schweizer Künstler (und einzelne Künstlerinnen) aus verschiedenen Landesteilen in den Blick genommen wurden. Präsentiert werden u. a. Albert Ankers Die Andacht des Grossvaters und das berühmte Selbstbildnis (Der Zornige) von Ferdinand Hodler.

  • Ölgemälde von Albert Anker aus dem Jahr 1893 mit dem Titel "Die Andacht des Grossvaters"
  • Ölgemälde von Ferdinand Hodler aus dem Jahr 1881 mit dem Titel: Selbstbildnis (Der Zornige)

Der Grosse Rat entscheidet im September über die Zukunft des Kunstmuseum Bern

150 Jahre nach der Gründung der «Corporation Bernisches Kunstmuseum» für den Bau des Museums könnte sich die Geschichte wiederholen. Denn der Grosse Rat (Kantonsparlament) wird anlässlich seiner Herbstsession im September 2025 debattieren, wie es mit der Zukunft des Kunstmuseum Bern weitergehen wird und über den Projektierungskredit zur Erneuerung entscheiden. Das heutige Gebäudeensemble des Kunstmuseum Bern besteht aus dem Altbau von Eugen Stettler aus dem Jahr 1879 und einer Erweiterung von Atelier 5 von 1983. Es benötigt dringend eine Sanierung und Erneuerung. Mit dem Siegerprojekt des internationalen Architekturwettbewerbs «Eiger» haben Schmidlin Architekten eine zukunftsfähige Lösung ausgearbeitet. Damals wie heute ist eine gemeinschaftliche Finanzierung von öffentlicher Hand, der Wirtschaft und Privaten geplant.

  • Der Stettler-Bau des Kunstmuseum Bern, 1895
  • Aktuelle Aussenansicht des Kunstmuseum Bern mit dem Stettler-Bau im Vordergrund und der Erweiterung von Atelier 5 von 1983
  • Visualisierung des Siegerprojekts «Eiger», Blick auf das Kunstmuseum Bern der Zukunft vom Waisenhausplatz aus

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