Konservierung & Restaurierung

Restaurierung

Bewahren

Das Berufsfeld der Konservierung und Restaurierung widmet sich dem Bewahren. Ein zentraler Schwerpunkt bildet die präventive Konservierung. Wir betreuen die Sammlungsbestände und die Leihgaben im Depot, in der Ausstellung und auf Reisen. Wir erforschen die Materialität in den vielseitigen historischen und kulturellen Kontexten und führen Restaurierungen durch.

Die stets wachsende Sammlung umfasst Gemälde, Skulpturen, Arbeiten auf Papier, Fotografien, Videos und Filme sowie Performance Arbeiten. Unsere Spezialisierungen Gemälde und Skulptur, zeitgenössische Kunst, moderne Medien, Grafik und Fotografie sind auf die materielle und immaterielle Vielfalt der Werke ausgelegt.

Die Balance, zwischen Zugänglichkeit für die Besucher:innen und nachhaltigem Schutz der Werke, ist uns ein zentrales Anliegen. Unsere Tätigkeiten basieren auf aktuellen Standards und Richtlinien, deren dynamische Fortschreibung wir aktiv mitgestalten und auf diese Weise aktuelle gesellschaftliche Themen einbinden.

Projekte

Wir erforschen und bewahren Kunst als materielles und immaterielles Erbe. Hier erfahren Sie mehr über unsere Projekte und werfen einen Blick hinter die Kulissen.

  • Konservierung Wölfli

    Das Hauptziel des Projekts ist die Erarbeitung einer Grundlage für die Entwicklung eines Erhaltungs- und Nutzungskonzeptes der Bestände der Adolf Wölfli-Stiftung im Kunstmuseum Bern. Dazu werden über 1000 Zeichnungen sowie die von Adolf Wölfli selbst gebundenen Hefte nach visuellen Kriterien eingeschätzt sowie punktuell mittels Nahinfrarot-Spektroskopie vermessen. Die Untersuchungen werden es erlauben den Degradationsgrad der unterschiedlichen Trägermaterialien einzuschätzen und einhergehend eine Prognose zur mechanischen und chemischen Haltbarkeit zu präzisieren. Die Ergebnisse reflektieren wir im Kontext der aktuellen restaurierungsethischen Diskurse.

    • Laufzeit: Mai – Dezember 2024
    • Projektleitung: Dr. Nathalie Bäschlin und Hilar Stadler,
    • Inhaltliche Leitung/Projektmitarbeit:  Philine Claussen
    • Projektmitarbeiter: Michel Ingoglia
    • Kooperation: SurveNir, Dr. Dirk A. Lichtblau
    • Finanzierung: Adolf Wölfli-Stiftung
  • Juan Gris, Les trois cartes, Öl auf Leinwand, 65,5 x 46,4cm, 1913, Ge 023, Hermann und Margrit Rupf-Stiftung, Kunstmuseum Bern

    Restaurierungsprojekt Werkgruppe Juan Gris (1887-1927), Hermann und Margrit Rupf-Stiftung, Kunstmuseum Bern

    «Das Wichtigste Eurer Sammlung ist doch die Grissammlung.» Das Zitat stammt vom Galerist Daniel-Henry Kahnweiler, aus einem Brief an Hermann Rupf 1932. Die Werkgruppe umfasst heute 14 Gemälde von 1913 bis 1925. Sie ist besonders, weil wir an den Gemälden die Entwicklung von Juan Gris kubistischer Malerei ablesen können und wir die Werke heute als authentisch wahrnehmen. Fast alle originalen Spannrahmen sind erhalten, viele Gemäldeoberflächen blieben unberührt. Ihr fragiler Zustand führte zu dem Restaurierungsprojekt. Ziel des Projekts ist es, die Malweise des Künstlers und den Zustand der Gemälde zu verstehen. Wir haben die Quellen gesichtet, die Werke «durchleuchtet» und punktuell Analysen beigezogen. Für jedes Gemälde werden individuell die notwendigen Konservierungs- und Restaurierungsmassnahmen bestimmt, wobei auch die der Werkgruppe als ein Ganzes hohen Stellenwert hat.

    • Laufzeit: 2019 - 2024
    • Projektleitung: Dr. Nathalie Bäschlin
    • Projektmitarbeit:  Florence Lépine, Katharina Sautter
    • Kooperation: Kunsttechnologisches Labor, Hochschule der Künste Bern
  • 2015 wurde das Ende der bandbasierten Speicherung eingeläutet: Sony und andere grosse Firmen haben die Herstellung von Videomagnetbändern und die Produktion von bandbasierten Abspiel- und Aufnahmegeräten eingestellt. Hinzu kommt auch, dass die neuesten Werke (born-digital) nur noch auf sog. Wechselspeichermedien, also Festplatten oder Flash-Speichern wie USB-Sticks angekauft werden. Die Lagerung der Medienkunst erfordert die gleiche Sorgfalt wie die Gemälde, Skulpturen und Arbeiten auf Papier – mit anderen Erhaltungsstrategien: Die Dokumentation der originalen künstlerischen Produktion, ihre aktuelle Präsentation und ihre Sicherung für die zukünftige Generationen stellen eine vielseitige Herausforderung dar.

    • Laufzeit: 2022 – 2025
    • Projektleitung und Durchführung: Emilie Magnin in Zusammenarbeit mit Raphael Frey
    • Kooperation: docuteam AG
  • In der interdisziplinären Zusammenarbeit der Disziplinen Kunsttechnologie und Provenienzforschung wurde ein innovativer Ansatz zur Untersuchung von Werken auf Papier entwickelt. Ziel war es, im kunsttechnologischen Befund Spuren zu finden, die Hinweise auf Vorbesitzer geben (und somit die Provenienzforschung unterstützen) können. Die Erkenntnisse aus unseren Untersuchungen zeigen, dass die systematische Erfassung von Werkspuren und Gebrauchsspuren, insbesondere Spuren ehemaliger Montierungen und Degradationszustände, eine effektive Methode ist, um potenzielle Herkunftsinstitutionen oder -sammlungen identifizieren zu können.

    • Laufzeit: 2019 – 2022
    • Projektleitung und Durchführung: Dorothea Spitza mit Katharina Otterbach und Silja Meyer
    • Publikation: Silja Meyer, Katharina Otterbach, Dorothea Spitza, «Ausradiert, abgeschabt, überklebt. Materielle Spuren und manipulierte Sammlungsmerkmale auf Werken des Legats Cornelius Gurlitt», in: Kunst, Konflikte, Kollaboration. Hildebrnd Gurlitt und die Moderne, Schriften der Forschungsstelle ‚Entartete Kunst’ Band 14, hrsg. von Nikola Doll, Uwe Fleckner und Gesa Jeuthe Vietzen, Walter de Gruyter GmbH, Berlin/Boston 2023, S.301-322.
  • Im Juli und August 2017 wurden rund 240 Kunstwerke aus dem Legat Cornelius Gurlitt von den Restaurator:innen des Kunstmuseums in Kooperation mit freiberuflichen SpezialistInnen und Studiernden der Konservierung und Restaurierung der Hochschule der Künste Bern kunsttechnologisch untersucht und anlässlich der erstmaligen öffentlichen Präsentation der Werke in den Ausstellungen «Bestandsaufnahme Gurlitt» (2017–2019) konserviert. Die Werkstatt war auch während der Ausstellung für die Besucher:Innen zugänglich.

    Im Vordergrund standen dabei erhaltenden Massnahmen, wie Fehlstellenergänzungen, die Sicherung beschädigter Papiere oder gefährdeter Farbschichten. Bei den Kunstwerken des Legats zeigten sich Schäden, die von konservatorisch ungeeigneten, alterungsunbeständigen Montierungen und Befall durch Mikroorganismen stammen. Bei Druckgrafiken wirkte sich auch die Papierqualität auf den Erhaltungszustand aus.

    Die materialtechnischen Untersuchungen lassen Rückschlüsse auf Originalzustand und spätere Veränderungen des Werks zu. Sie ermöglichen Aussagen über die Lagerung, Restaurierungen oder geänderte Präsentationsformen und geben so mitunter wertvolle Hinweise zur Provenienz eines Werks.

    Für die weitere Provenienzforschung wurden die am Werk überlieferten Herkunftsmerkmale wie Beschriftungen, Etiketten, Stempeln oder Siegel dokumentiert. Dabei konnte festgestellt werden, dass bei vielen der untersuchten Kunstwerke aus dem Vermächtnis Gurlitts Provenienzmerkmale absichtsvoll manipuliert oder entfernt worden waren.

    • Laufzeit: 2017-18
    • Projektleitung: Dr. Nathalie Bäschlin und Dorothea Spitza
    • Projektdurchführung: Philine Claussen, Katja Friese, Matthias Läuchli, Katharina Sautter mit der Unterstützung von freischaffenden Restaurator:innen und Studierende der Hochschule der Künste Bern.
    • Kooperation: Fachbereich Konservierung und Restaurierung, Hochschule der Künste Bern
  • Das Gemälde Stehender Akt (Elvira), 1918-19, Inv. Nr. G2223, Öl auf Leinwand, 92 x 60 (ohne Zierrahmen) von Amedeo Modigliani ist ein Meisterwerk der Sammlung des Kunstmuseums Bern. Der Vergleich mit Modiglianis Porträts Elvira am Tisch 1918-19 zeigt auf, wie der Künstler anhand subtiler Variationen seiner Maltechnik verschiedene Facetten der Persönlichkeit desselben Modells erfasst hat. Die kunsttechnologische Untersuchung und die Quellenrecherche führen darüber hinaus zu neuen Erkenntnissen zur Identität des Modells und zur Datierung des Gemäldes.

    Das Projekt baute auf einer Kooperation auf zwischen Spezialist:innen der Konservierung und Restaurierung, der Kunstgeschichte und der Naturwissenschaften auf, mit dem Ziel, die Malweise und den Werkprozess des Künstlers Modigliani zu erforschen. Ausgehend von der Amedeo Modigliani Ausstellung an der Tate Modern, London 2017 – 2018, entwickelten die Nancy Ireson and Simonetta Fraquelli, in Kooperation mit Barbara Buckley, Senior Director of Conservation at the Barnes Foundation, Philadelphia und der Restauratorin an der Tate Modern Annette King das Projekt Up Close, eine Ausstellung an der Barnes Foundation in 2022–23, die explizit die Expertisen verschiedener Disziplinen verbindet.

    • Laufzeit: 2018 – 2023
    • Projektleitung: Forschungsinitiative der Tate Modern, London mit internationalen Partnerinstitutionen
    • Durchführung Kunstmuseum Bern: Dr. Nathalie Bäschlin
    • Kooperation: Courtney Books, Saint Louis Art Museum; Tate Modern London; Barnes Foundation Philadelphia; Kunsttechnologisches Labor, Hochschule der Künste Bern
  • Digitalisierungsprojekt mit Unterstützung von Helvetia Versicherungen

    Im Kunstmuseum Bern befinden sich rund 350 Werke von Meret Oppenheim aus der Zeit zwischen 1930 und 1985 mit einem Spektrum an Materialien, Materialkombinationen und Techniken, die ihr Werk gesamthaft prägen. Das Projekt leistet Pionierarbeit in der Frage, Digitalisierungsverfahren mit Ansprüchen präventiver Konservierung so zu verbinden, dass Daten entstehen, die neue Grundlagen für Forschung und Vermittlung bieten.

    In der ersten Phase wurden die zweidimensionalen Arbeiten auf Papier und Gemälde in Kooperation mit Recom Art GmbH Berlin berührungsfrei gescannt. In den Referenzscans sind nicht nur die Oberflächen präzise erfasst. Sie enthalten zudem Messpunkte, die den Zustand der Werke zum Zeitpunkt der Digitalisierung dokumentieren und das sorgfältige Monitoring von Farbveränderungen unterstützen.

    Während der zweiten Phase wird ein Verfahren mit 3D-Scan und Photogrammetrie von CL-Y GMbH Zürich auf zwei dreidimensionale Werke angewendet. Es zielt darauf, die Form mit Oberflächen- und Farbinformationen zu verbinden. Auf der Grundlage von hochauflösenden Scans werden 3D-Modelle errechnet, bei welchen jeder Punkt vermassbar ist. Die Farbinformation wurde photogrammetrisch erfasst und mit dem Volumenmodell verrechnet. Digitale 3D-Modelle ermöglichen der Forschung neuartige Zugangsebenen zu Kunstwerken. Gleichzeitig bilden sie aber auch den Ausgangspunkt für einen kritischen Dialog über das Verständnis von authentischem Original und digitaler Kopie und zum Zugang zu diesen.

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    • Laufzeit: 2017 – 2021
    • Projektleitung: Dr. Nathalie Bäschlin
    • Finanzierung mit Unterstützung von Helvetia Versicherungen
    • Projektmitarbeit: Philine Claussen, Katja Friese, Matthias Läuchli, Katharina Sautter, Josefine Werthmann
    • Kooperationen: Sven Schönauer recom Art GmbH Berlin (Planscans) und Daniel Lütolf (3D-Modelle), CL-Y GmbH Zürich
  • Das Projekt geht der Frage nach, wie fragile Gemälde sicher transportiert werden können. Bislang liegen 54 Transportmonitorings für das Kunstmuseum Bern und andere Schweizer Museen
    (15 nationale, 24 internationale, 15 interkontinentale Transporte) vor. Die Datensammulung ist eindrücklich: Über 1000 kontinuierliche Transportstunden wurden mit einer Messfrequenz von 1600 Hertz aufgezeichnet. Die Transportmonitorings ermöglichen die Erstellung eines kumulativen Reiserapports (Klimaschwankungen (T/rH), Zeitpunkt von maximalen Belastungen, Anzahl und Stärke von Schocks oberhalb der festgelegten Grenzen,). Sie dienen der Qualitätssicherung der Verpackung (Prüfung der Performance) und liefern präzisierende Daten für die Charakterisierung von Belastungsprofilen in Abhängigkeit der Transportphasen (Lkw, Flug, Handling). Aufbauend auf das 2015 formulierte Dämpfungskonzept, das die Reduktion von Koppelungseffekten in tiefen Frequenzbereichen anstrebt, können die Anforderungen an Verpackungs- und Dämpfungssysteme laufend präzisiert werden

    Die Ergebnisse der Monitorings dienen als Grundlage für eine nachhaltige Transportplanung und Leihgabenentscheidungen.

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    • Laufzeit: 2015 – laufend
    • Projektleitung und Durchführung: Matthias Läuchli in Zusammenarbeit mit Dr. Nathalie Bäschlin
    • Kooperation: MSR Electronics GmbH
  • Konservierung

    Konservierungs- und Restaurierungsprojekt der Werkgruppe im Kunstmuseum Bern der Tafelbilder Niklaus Manuels (1484-1530) im Kunstmuseum Bern. Ziel dieses Projektes ist es, die Altartafeln des Berner Künstlers als zentrale Werkgruppe der Sammlung des Kunstmuseums Bern, umfassend zu konservieren und zu restaurieren. Zudem sind kunsttechnologische Untersuchungen ein wichtiger Teil dieses Projektes.

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    • Laufzeit: 2015 – 2017
    • Projektleitung: Dr. Nathalie Bäschlin
    • Durchführung: Florence Lépine, Matthias Läuchli
    • Finanzierung: Burgergemeinde Bern, Abteilung Kulturelles Stadt Bern, Gesellschaft zu Mittellöwen und Kunstmuseum Bern
    • Kooperation: Historisches Museum Bern; Kunsttechnologisches Labor, Hochschule der Künste Bern, Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaft SIK-ISEA Zürich.

Videos zu den Projekten

Sammlung & Forschung

  • Besucher:innen im Hodlersaal

    Sammlung

    Die Sammlung des Kunstmuseum Bern ist eine der wichtigsten und vielfältigsten Sammlungen in der Schweiz und besitzt vor allem dank den Werkgruppen der Klassischen Moderne internationale Bedeutung.

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  • KMB

    Provenienzforschung

    Provenienzforschung beschäftigt sich mit der Geschichte von Kunstwerken und Artefakten, deren Eigentümer:innen und Besitzer:innen.

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  • Eine mit "Gurlitt" beschriftete Archiv-Schublade

    Nachlass Cornelius Gurlitt

    Die Annahme des Legats Cornelius Gurlitt im November 2014 markiert einen Perspektivwechsel. Das Kunstmuseum Bern setzt sich für langfristige Provenienzforschung und einen transparenten Umgang mit Forschungserkenntnissen ein.

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